Finanzierungslücke durch Förderstopp

Finanzierungslücke durch Förderstopp

im Immobilienmanager

27.01.2022

Konkrete Zahlen: Bis zu 45 Prozent mehr Eigenkapital ist nötig durch das jähe Ende der Bundesförderung KFW 55 und KFW 40.

Beim Stopp mehrerer Programme zur Förderung energieeffizienter Gebäude geht es um erhebliche Summen, die Bauherren nun anderweitig aufbringen müssen. Auf eine Blitzumfrage des Verbands BFW antworteten 170 Unternehmen, bei denen zusammen ein Bauvolumen von mehr als 25.000 Wohneinheiten betroffen ist. „Das damit verbundene Fördervolumen dürfte sich auf mehr als eine halbe Milliarde Euro belaufen, die nun fehlen“, heißt es beim BFW.

Rund 75 Prozent der Unternehmen, die dem BFW antworteten, berichten, dass sie bereits Anträge bei der KFW gestellt haben, aber noch keine Bewilligung erhalten haben. 50 Prozent gaben an, eigentlich noch bis 31. Januar, so wie ursprünglich angekündigt, Anträge stellen zu wollen. Teilweise haben die Unternehmen bereits Antragsnummern erhalten, das Verfahren also gestartet, aber nicht abschließen können. Zur Finalisierung fehlten ihnen teilweise noch Unterlagen der Banken oder von Energieberatern, die in dieser letzten Woche eingereicht werden sollten. Mit der Antragstellung sind auch Kosten verbunden, auf denen die Unternehmen nun zusätzlich sitzen bleiben.

Auch am Beispiel von Leipzigs zwölf größten Projektentwicklern ist zu erkennen, um welche Dimensionen es geht. Durch den Stopp fehlen ihnen 107 Millionen Euro Fördersumme. Dies betrifft konkret Projekte mit einer Gesamtzahl von circa 4.400 Wohnungen. Für alle Leipziger Wohnungsentwickler wird die Ausfallsumme auf mindestens 150 Millionen Euro für circa 5.000 bis 6.000 Wohnungen in Leipzig geschätzt.

Im Klartext heiße das unter anderem, so die Leipziger Entwickler:

1. Dass eine erhebliche Zahl Projekte auf den Prüfstand gestellt werden, ob sie überhaupt noch gebaut werden können.

2. Die wegfallenden Fördersummen erhöhen die Mieten für diese Wohnungen zwischen 0,8 bis einen Euro pro Quadratmeter.

3. Private Käufer, die auf die Förderung gesetzt haben, müssen höhere Preise zahlen oder können nicht mehr kaufen, da durch Wegfall von Zuschüssen und preiswerten Darlehen aus der Förderung höhere Kredite aufgenommen werden müssten als möglich.

Zusätzlicher Eigenkapitalbedarf bis zu 45 Prozent

Michael Peter, Gründer und CEO der P&P Gruppe aus Fürth, findet es schwierig, die Frage nach dem Eigenkapital Mehrbedarf pauschal zu beantworten. Doch soviel kann er sagen zu den Folgen des Wegfalls der Förderung: „Nach unserer ersten Einschätzung kann hier schnell ein zusätzlicher Eigenkapitalbedarf von 15 bis 30 Prozent entstehen, im Extremfall bei Einzelmaßnahmen sogar bis zu 45 Prozent, wenn diese nicht anderweitig finanzierbar sind.“

Die Hannoveraner Immobilienkanzlei Bethge berichtet aus ihrer Beratungspraxis: „Die KFW-55- Förderungen werden in der Projektplanung für ein Neubauvorhaben als feste Finanzierung zu Beginn eingerechnet. Die Beantragung der Mittel kann hingegen erst Monate später bei weiterem Fortschritt des Projekts erfolgen. Nun fällt mitten in der Projektentwicklung – nach Kauf des Projektgrundstücks, nach Abverkauf von Wohnungen und nach Beantragung der Baugenehmigung – ein sicher eingeplanter Finanzierungsbaustein plötzlich weg.“

Diese Lücke im Eigenkapital könne – wenn überhaupt – nur durch eine Nachfinanzierung über Fremdmittel geschlossen werden. Das neue Darlehen samt Zinsen steigere die Kosten des Entwicklers. Im Ergebnis bedeute das eine empfindliche Reduzierung der Marge, wenn das Projekt nicht sogar insgesamt scheitere.

 

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